www.davaidavai.com, März 2015

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Im Sommer 2012 lernte ich beim Umzug nach Berlin einen jungen Mann kennen, der mit mir ein gemeinsames Interesse teilte: Nordkorea. Ronny war Student in Berlin, äußerst kreativ und war gerade dabei mit seinem Freund André ein Reisebüro in genau dieses mysteriöse Land in Nordostasien aufzubauen.

 

Ronnys Leben endete tragischer Weise im Sommer 2014. André übernahm Pyongyang Travel und ist immer noch aktiv dabei, Reisen in den vermeintlichen Schurkenstaat anzubieten. Ein gefundenes Fressen für davaidavai. Denn wenn mein Blog irgendetwas toll findet, dann sind es schräge Marketingkonzepte.

 

Zeit, André mal kennenzulernen.

 

Stellt dich mal vor und erklär uns mal, warum man Reisen nach Nordkorea anbietet?

 

Ich bin 29, komme aus Berlin und fand etwas merkwürdige Reiseziele schon immer spannend. Seit ich 2013 zum 100. Geburtstag von Kim Il Sung mit Ronny nach Nordkorea reiste, hat uns das Land nicht mehr losgelassen. Über gemeinsame Freunde haben wir dann Christoph kennen gelernt, der unabhängig von uns auch schon in Nordkorea war und die Idee für Pyongyang Travel in die Runde geworfen hat. Ohne Diskussion fanden Ronny und ich das spannend und wir haben dann das Reisebüro eröffnet.
 
Gerade in der Anfangsphase war für uns die rechtliche Abklärung einer der größten Hürden. Man traf nirgendwo jemanden der mit Reisen nach Nordkorea Erfahrungswerte hatte. Also hieß es immer wieder “warten” oder “müssen wir uns schlau machen”.
 
Mit Hilfe aus Nordkorea selbst und anderen Partnern haben wir jedoch auch diese Probleme gemeistert. Im November 2013 sind wir dann mit unserer Website online gegangen und haben 3 Monate später bereits die ersten Touristen nach Nordkorea gebracht. Innerhalb des ersten Jahres haben wir eine so große Resonanz erzeugen können, dass wir prompt zum zweitgrößten Anbieter gewachsen sind.

 

Super interessant. Wie oft warst du selbst schon da und was hast du dort gelernt?

 

Ich war zweimal in Nordkorea und will, wenn es zeitlich klappt, dieses Jahr wieder fahren – es gibt zuviel was ich dort noch nicht gesehen habe. Das Land ist aus meiner Sicht auch immer noch ein “Drittwelt Staat”. Man lernt schnell Demut und erfährt in welchem Luxus man in Deutschland lebt. Aber trotzdem: Gerade in den letzten Jahren ist extrem viel in Nordkorea passiert. Das Land entwickelt sich.
 
Nordkorea hat bestimmte Begrenzungen für Touristen. Aber dennoch wird im möglichen Rahmen versucht, Sonderwünsche auch zu erfüllen. Da ärgert es dann einen, wenn man Berichte sieht oder Artikel ließt in denen vermittelt wird, dass eine Reise dorthin ganz schrecklich ist und man die ganze Zeit Angst haben muss. Ich sehe Nordkorea eher als Geheimtip für eine außergewöhnliche Reise.

 

Sind Reisen nach Nordkorea so einfach möglich?

 

Mit Pyongyang Travel – ja. 😉 Eine Reise nach Nordkorea ist nicht vergleichbar mit einem Urlaub in Europa, den USA oder ähnlichen bekannten Urlaubszielen. Bereits beim Flug mit Air Koryo beginnt für viele das Abenteuer Nordkorea, wenn Ihnen die Pyongyang Times zum Lesen ausgehändigt wird.
 
Am Flughafen werden Sie von koreanischen Reiseleitern abgeholt und dort am Ende der Reise auch wieder hingebracht. Die komplette Zeit über bleiben Sie Ihre Ansprechpartner und sind immer mit den Gästen gemeinsam unterwegs. Was man bei der Reise verstehen und auch respektieren sollte, ist der Umgang mit den “drei großen Führern”. So wird es vor den Staturen erwartet, dass man sich Blumen zu vor kauft und diese nach einer Verbeugung niederlegt.
 
Auch das Stadtleben ist natürlich gänzlich anders als im Westen. Alleine Abends durch Pyongyang oder Kaesong schlendern – sowas geht dort nicht. Auch gibt es kein Nachtleben in den Städten und die Straßen sind nachts leer. Als Tourist sitzt man dann abends meist mit den Begleitern bei einem Bier zusammen und kann sich durchaus auch ungezwungen unterhalten.

 

Ihr seid ja ein kleines Unternehmen. Was sind denn so die Herausforderungen eines solchen Reiseziels?

 

Die Herausforderungen sind eine gewisse Form von “Unplanbarkeit”. Aktuell ist aufgrund einer lang anhaltenden Kampagne gegen Ebola die Einreise für Touristen nach Nordkorea verboten. Eigentlich sollte dies seit Februar 2015 wieder möglich sein. Aber jetzt wurde die Sperre bis April erneut verlängert.
 
Über 1.000 Touristen wollten im April zum Geburtstag von Kim Il Sung und dem Pyongyang Marathon nach Nordkorea reisen. Durch das Ebola-Thema ist das jetzt von einem Tag auf den anderen Tag nicht mehr möglich. Ja, als Jungunternehmer erfordert das schon eine gewissen Leidensfähigkeit, um weiter dran zu bleiben.

 

Wie konkret macht man denn Marketing für so ein spezielles Angebot? Wo trifft man denn die richtigen “Freaks”, die statt nach Malle nach Pyonyang fahren wollen?

 

Die meisten Anfragen erhalten wir aufgrund konkreter Suche nach “Reise nach Nordkorea”. Viele Kunden von uns reisen gerne durch die Welt und sind auch zuvor schon weit rumgekommen.
 
Auch gibt es aber Kunden mit speziellen Interessen. Da in Nordkorea gefühlt die Zeit vor 40, 50 Jahren stehen geblieben ist, kann man noch mit Zügen oder Flugzeugen fliegen, die es sonst nirgendwo auf der Welt mehr gibt. Da gibt es durchaus einschlägige Interessengruppen.
 
Neben Fans ungewöhnlicher Transportmittel gibt es auch eine relativ große Fußballstadiencommunity, also Menschen, die versuchen, in möglichst vielen unterschiedlichen Fußballstadien gewesen zu sein. Für die haben wir ein eigenes Paket. Zum Beispiel mit dem 1.Mai-Stadion, das 150.000 Menschen Platz bietet.
 
Wenn Du auf sowas stehst, ist das ein absolutes Highlight.

 

Und wo geht die Reise künftig mit Pyongyang Travel hin?

 

Wir glauben, dass in Sachen Tourismus in Nordkorea noch einiges passiert. Zugegeben: Spezialanbieter in diesem Bereich zu sein, heißt auch, dass man Lust auf Überraschungen haben sollte. Aber generell sind wir positiv und hoffen auf eine gute gute Zukunft für das Land. Und wir glauben auch, dass Nordkorea sein Urlaubsangebot weiter ausbauen und professionalisieren wird. Wer also Lust auf ein Land hat, das noch relativ unberührt vom Massentourismus ist, dürfte mit uns noch eine Weile gut fahren.
 
Lust bekommen? Wer von euch Interesse an einer Tour durch die Demokratische Volksrepublik Korea gefunden hat, dem sei Pyongyang Travel wärmstens ans Herz gelegt.

 

davaidavai.com, März 2015